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Kannst du ein Frettchen lieben?

Von  Dean D. Manning aus: " Off the Paw", Jan./Feb. 1992
Übersetzt aus dem Englischen von Markus Roth

Ich haben den Titel von einem Aufsatz einer australischen Kollegin gestohlen, welche in einem Newsletter wie diesem publiziert hatte. Der Inhalt ist natürlich völlig verschieden, aber die Frage beschäftigt mich. Und ich muss zugeben, die Menge an möglichen Antworten darauf überrascht mich irgendwie. Für eine unglaublich grosse Anzahl von Leuten - inklusive einigen, welche sich als "Frettchenliebhaber" ausgeben - lautet die Anwort kategorisch "nein". Einer aus dieser Gruppe ist ein Bekannter, welcher mir erzählte, dass "jeder, der zu einem Tier spricht krank ist!" Für ihn wäre es absurd, die Liebe zu einem Tier zuzugeben; dieses herausragendste aller Gefühle müsse ausschliesslich für andere Menschen reserviert bleiben. Respekt und sogar Bewunderung für Tiere sei jedoch zulässig. Aber Liebe? Nie und nimmer. Dies war seine ehrliche Überzeugung.

Ich kann nicht behaupten, dass ich diese Meinung teile. In meinem Kopf dreht sich die Frage weniger nach dem "ob" als nach dem "warum". Denken Sie eine Minute darüber nach. Frettchen mangelt es an dieser völlige untertänige Hingabe, welche dem Hund den Titel "bester Freund des Menschen" einbrachte. Auch besitzen sie nicht die elegante Würde und die Fähigkeit Leute zu manipulieren, wie die Katzen. Man kann sie nicht gebrauchen, um einen Karren zu ziehen, unsere Herde zu bewachen oder das Heim zu beschützen. Die meisten von ihnen sind nicht einmal gute Mäusefanger. Sie sind gut im Transportieren von Dingen - wie Pfeiffen oder Turnschuhen - jedoch kann man das kaum als "apportieren" bezeichnen. Das Gute am Frettchen ist, dass es eine höchst anpassungsfähige Kreatur ist, die zufrieden in ihrer eigenen fröhlichen kleinen Welt herumhüpft, mit uns jedoch nur am Rande intragiert.

Oberflächlich gesehen bietet dies ja nicht viel Liebe. Wie kommt es dann, dass diese wolligen kleinen Clowns diejenigen von uns, welche von ihnen bezaubert sind, fesseln können? Eine gute Frage. Ich denke oft, dass die Antwort darauf in dem Gefühl liegt, welches Frettchen einem übermitten können. Für viele von uns liegt etwas Magisches in einem herumhüpfenden, gockernden Frettchen, welches am Boden herumpurzelt, etwas, das Ihre ganze Lebensauffassung in einem helleren Licht erscheinen lässt. Nehmen Sie es zur Kenntnis - Frettchen bringen Ihr Gemüt durcheinander. Ich kann mir vorstellen, dass Pszchiater die einzigen Leute sind, welche einen Grund haben, ihnen diese Tatsache übelzunehmen. Es ist ein klarer Fall von einem unlauteren Wettbewerb; Frettchentherapie ist einiges weniger teuer als konvenzionelle Psychotherapie - ganz zu schweigen davon, dass es erst noch mehr Spass macht.

Aber im Verzauberungspotenzial eines Frettchens liegt mehr als ein hochenergischer und grenzenloser Unterhaltungswert. Diese kleinen Biester legen ein eingentümlich hohes Potential von Vertrauen an den Tag. Sogar auf diejenigen, welche bislang noch keine so grosse Erfahrung mit Leuten und dem Leben allgemein sammeln konnten, scheinen Frettchen den Eindruck zu machen, dass jeder ihr Freund ist und jede Situation eine Gelegenheit zu spielen bietet. Dieses Vertrauen scheint sie furchtlos zu erscheinen - oder völlig bekloppt, je nachdem, wie man es sieht. Es kann auch ein Art zweifelhaftes Vergnügen sein.

Jeder, der schon die letzte Entscheidung über Leben und Tod eines vertrauensvollen Haustieres fällen musste, weiss wovon ich spreche. Neulich musste ich von einem der liebsten kleinen Frettchen, das ich je kennengelernt habe, Abschied nehmen. Sein Insulinoma und Adrenaltumore überstiegen schliesslich unsere Möglichkeiten, ihm zu helfen und die Krankheiten beraubten ihn langsam aber sicher seiner Lebensqualität. Am Ende konnte ich auf sein Vertrauen, das er in mich setzte, nur auf eine Art und Weise reagieren. Zu behaupten, das wäre nicht einfach gewesen, wäre eine groteske Untertreibung.

Ich habe nie wirklich zu den Leuten gehört, die Haustiere vermenschlichen. Es gibt einen natürlichen Trost in ihrem begrenzten Fassungsvermögen von Vernunft und Verständnis. Ich bin mir sicher, dass mein kleiner Freund keine Ahnung hatte, warum meine Hände zitterten, als er das zusammengerollt auf meinem Schoss lag. Und als er ruhig einschlief unter der Einwirkung der Spritze, zweifle ich daran, dass er die salzigen Tropfen, welche auf sein Fell fielen, wirklich hätte verstehen können. Ich glaube, viele von euch können dies hingegen. Also sage mir nun: Kannst du ein Frettchen lieben?

Gewidmet all denen, welche je von einem geliebten Haustier Abschied nehmen mussten.