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Fellwechsel
- Eine haarige Sache
Von
Mary Van Dahm in: "The F.A.I.R.-Report", Mai/Juni, 1999, Band VII -
Ausgabe 3
Übersetzt aus dem Englischen von Markus Roth
Fellwechsel ist
ein natürlicher Prozess, den die meisten Tiere mit Fell oder Haarkleid
erfahren. Frettchen sind da keine Ausnahme. Das alte Haar fällt aus und
neues wächst nach. Wenn Sie über das Fell Ihres Tieres streichen, kann
es vorkommen, dass Sie danach Haare in Ihrer Hand vorfinden. Es kann
sich manchmal sogar um eine Handvoll handeln! Was betrachtet man als
eine normale Anzahl vom Fellwechseln bei Frettchen? Wann sollte einem
der Haarausfall beunruhigen? Kann man etwas tun, um dies zu stoppen oder
zu reduzieren?
Zuerst
muss man den Aufbau eines Frettchenfells verstehen. Ein Frettchen hat
eigentlich zwei Felle - eine Unterwolle von feinem, sanften und
dichtwachsenden Fell als Isolierung, sowie ein oberes Fell aus
geschmeidigen Grannen, welches hilft, die Unterwolle vor Schmutz und
Wasser zu schützen. Die Unterwolle ist normalerweise weiss oder
cremefarbig und kann betrachtet werden, wenn man die Grannen wegstreicht.
Dieses obere Fell andererseits umfasst einen Regenbogen von Farben von
schwarz, sable (dunkelbraun) und chocolate (hell- bis mittelbraun), zu
cinnamon, champagnem, silberfarben und weiss. Die Grannen geben dem
Frettchen seine individuellen Merkmale, wie die Maske und das Fellmuster.
Frettchen wechseln generell
ihr Fell zweimal pro Jahr. Im Frühling und im Herbst werden Sie
vermutlich eine grössere Anzahl ausgefallener Haare bemerken. Im
Frühling schütteln Frettchen ihre überflüssigen Winterfellhaare aus
und ersetzen sie durch geschmeidige feine Locken. Kommt der Herbst,
kehren Frettchen normalerweise den Prozess um. Der Körper entfernt alte
Haare und füllt die Lücken auf mit einem dichten Winterfell.
Keine Regel ohne Ausnahme -
Frettchen sind sehr lichtenpfindlich, d.h. sie reagieren auf das (natürliche
oder künstliche) Licht, dem sie ausgesetzt sind. Falls Ihr Frettchen
stets unter grossem Lichteinfluss lebt, z.B. falls Sie oft in dem Zimmer,
in dem sich das Tier die meiste Zeit aufhält, Licht machen, kann dies
den Fellwechselzyklus über den Haufen werfen. Sein Fell wird ev. nicht
so dicht wachsen wie normal oder es wächst nur sporadisch. Sie werden
nicht einmal den normalerweise deutlichen Frühlings- oder
Herbstfellwechsel bemerken. Einige Frettchen, welche drastischen
Lichtwechseln ausgesetzt sind, können sogar das Felle abwerfen. Ihre
Haare werden buchstäblich in einer Handvoll ausfallen und sie
entwickeln einen sogenannten "Kiwifruch"-Look. Dieser
Borstenschnitt ist das neue Fell, welches nachwächst und mit der Zeit
kann das Frettchen wieder normal aussehen. Es gibt ein interessantes,
aber mögliches Phänomen im Haarwuchs des Frettchens, welches manchmal
vorkommen kann, wenn das neue Fell unter der Haut zu wachsen beginnt.
Bei Sable Frettchen färbt sich dann die Haut beim Fellwechsel oft
tiefblau, bei Chocolat Frettchen kann die Haut olive oder khakibraun
erscheinen. Die Frettchen sehen dann aus, wie wenn sie blaue Flecken
hätten, aber es fehlt ihnen offensichtlich nichts. Diese
Farbveränderung kann man speziell ein, zwei Wochen nach einer Operation
beobachten, falls diese gerade kurz vor oder während dem saisonalen
Fellwechsel stattfand. Ein anderes interessantes Fellwechselmuster, das
einige Frettchen entwickeln, ist V-förmig und normalerweise an der
Stirn oder dem Nacken beginnt und sich über den ganzen Körper hin
fortsetzt. Das kann für einige Zeit zu einem ungewöhnlichen
Streifenmuster führen, oder die Frettchen können ev. eine Farbe über
dem Fellmuster und eine andere darunter aufweisen!
Frettchen entwickeln manchmal
einen Reflex genannt "Knopfschwanz" entwickeln. Dies ist
normalerweise der Fall bei nicht kastrierten Männchen während der
Fortpflanzungszeit, wenn hormonale Veränderungen dazu führen, dass die
Schwanzhaare ausfallen. Einige Leute glauben, dass überflüssiges Öl,
welches in dieser Zeit ausgestossen wird, Poren verstopfen und ebenfalls
zu diesem Umstand führen kann. Auch bei katrierten Frettchen kann
unregelmässige Beleuchtung massgebend für dieses Phänomen sein. Die
alten Haare erhielten bereits den Lichtreflex um auszufallen, aber die
neuen sind noch nicht bereit nachzuwachsen. Mit der Zeit fängt sich der
Körper auf und die Schwanzhaare des Frettchens füllen die Lücken
wieder.
Ernährung kann auch eine
wichtige Rolle spielen beim Haarwuchs und Fellwechsel Ihres Frettchens.
Ein Frettchenfell wächst von innen heraus auf mehr als eine Art! Falls
Ihr Tier mit erstklassigem Frettchenfutter aufgewachsen ist, sollte sich
das im Fell bemerkbar machen - es ist sanft und glänzend. Frettchen
sind Fleischfresser (sie BENÖTIGEN Fleisch als Grundnahrung) und
brauchen deshalb eine Ernährung reich an tierischem Eiweiss, Fetten,
ausgeglichen mit Vitaminen, Mineralien und Aminosäuren. Falls Ihr
Frettchen nicht genug Nährstoffe in seinem Futter vorfindet, wird es
womöglich ein spärliches oder sprödes Fell entwickeln. Es ist wichtig,
dass Sie Ihrem Tier von vornherein eine gute Ernährung bieten, bevor
ein permanenter Entwicklungsschaden einsetzen kann. Einige Frettchen
werden einen abruppten Nahrungswechsel ablehnen und Sie müssen solange
das alte Futter mit dem neuem mischen, bis sie das Tier völlig
entwöhnt haben. Um Ihr Frettchen auf den richtigen Weg zu bringen,
können Sie ihm auch ein ölbasiertes fettsäurehaltiges
Ergänzungsfutter geben, z.B. Mrs. Allen's Shed-Stop, Ferretone,
Furotone, Linatone etc. Falls Ihr Tier dieses Zusatzfutter mag,
tröpfeln Sie etwas davon über das neue Futter um es damit zu ködern.
Wechseln Sie das Futter regelmässig, damit das Öl nicht ranzig wird.
Einige Zeit später sollten Sie in der Lage sein, das Öl nicht mehr ins
Futter zu geben, sondern es dem Frettchen nur noch tröpfchenweise als
Belohnung anzubieten. Einige Hersteller von Zusatznahrung werden Ihnen
weismachen wollen, dass Sie ihr Produkt über das ganze Frettchenfutter
verteilen müssen, aber falls Ihr Tier schon auf eine vollwertige
Ernährung gesetzt ist, sollte dies nicht nötig sein. Zuviel Öl kann
Magenprobleme oder Durchfall verursachen und zu Fettleibigkeit führen.
Seien Sie nicht entmutigt, falls Sie am Anfang noch keine Veränderungen
im Fell Ihres Frettchens sehen. Spärliches Fell und sprödes Haar
braucht eine Weile, sich neu aufzubauen und Sie werden noch bis zum
nächsten Fellwechsel keine Veränderung feststellen können. Falls sich
das Fell Ihres Tieres weiterhin verschlechtern sollte, handelt es sich
womöglich um ein anderes Problem, als nur eine unzureichende Ernährung.
Die Gesundheit Ihres
Frettchens hat auch einen wichtigen Einfluss auf das Fell und den
Fellwechsel. Falls ihr Frettchen krank ist, wird es die Nährstoffe,
welches es verdaut in Energie umwandeln, um die Krankheit, die es
durchmacht, zu bekämpfen. Falls dem Körper Ihres Tieres nicht genug
Nährstoffe zugefügt und diese nicht richtig verteilt werden, bedient
es sich seinem grössten Speicher, seinem Fell. Wenn nun die Krankheit
anhält, wird der Körper des Frettchens nun beginnen, die benötigte
Energie dem Muskelgewebe und der Knochensubstanz zu entziehen, nachdem
die Fettreserven aufgebraucht sind. Hoffentlich sind Sie aber zum
Tierarzt gegangen, bevor sich diese späteren Stadium entwickeln konnten!
Ich habe vorher den Effekt
der Hormone auf räudige Männchen erwähnt. Es gibt auch einen hormonal
verursachten Umstand, der Fähen befallen und ihr Haar ausfallen lassen
kann. Diesen Zustand nennt man Hyperöstrogenismus, dieser tritt dann
ein, wenn sich die Fähe zu lang in Brunft (Estrus) befindet. Die hohe
Östrogenkonzentration kann bewirken, dass sich das Haar ausdünnt und
in ungleichen Fleckenmustern ausfällt. Sie früh in der Brunftzeit zu
decken oder zu sterilisieren, kann hilfreich sein, diesen eventuell
gefährlichen Zustand abzuwenden. Mittels eines Impfstoffes kann ihr
Frettchen auch künstlich aus der Brunft geholt werden. Leider ist der
durch Hyperöstrogenismus verursachte Haarausfall nicht das einzige
Problem, das ihr Frettchen befallen kann. Eine ernster Umstand,
asplastische Blutarmut genannt, kann sich ebenfalls entwickeln. Der hohe
Östrogengehalt führt dann dazu, dass das Knochenmark aufhört, rote
und weisse Blutkörperchen zu produzieren. Ohne die roten
Blutkörperchen können der Sauerstoff und die Nährstoffe, welche das
Leben erhalten, nicht mehr durch den Blutkreislauf transportiert werden,
und ohne weisse Blutkörperchen zerfällt das Immunsystem des Frettchens
und Lungenentzündungen oder andere Krankheiten können es befallen.
Eine hohe Anzahl von Fähen sterben deswegen jedes Jahr, also ist es am
besten, das Frettchen - falls man es nur als Haustier hält und nicht2
züchtet - vor der ersten Brunft (oder wenn diese einsetzt) zu
sterilisieren. Das ist so in etwa mit sechst oder sieben Monaten. Die
meisten Tierhandlungsfrettchen1
sind bereits als Jungtiere sterilisiert oder kastriert worden, also
sollte dies für Sie und Ihr Tier kein Problem darstellen.
Ein anders Gesundheitsproblem,
welches zu ernstem Haarausfall führen kann ist die Adrenalkrankheit,
welche v.a. bei Tieren über drei Jahren häufig eintritt. Adrenaltumore
können sich in einer oder beiden Adrenalindrüsen entwickeln. Es gibt
immer noch eine grosse Zahl von Spekulationen darüber, was diese Tumore
bei Frettchen verursacht. Die Auswirkung der Krankheit allerdings ist
sehr offensichtlich, da ein fleckiger Haarausfall ein allgemeiner
Indikator dafür darstellt. Allgemein setzt der Haarausfall bei der
Adrenalkrankheit zuerst am Schwanzende ein. Diese Alopecie (Haarverlust)
setzt sich normalerweise über den Rücken und den Schwanz in einem
ziemlich symmetrischen Muster fort. Das Tier kann bis zu 90% seines
Felles dabei verlieren. Die übliche Behandlung dieser Krankheit ist das
Entfernen der befallenen Drüse mittels eines operativen Eingriffes.
Glücklicherweise sind die meisten Adrenalindrüsentumore gutartig und
die Erfolgsrate der Operation ist hoch. Falls Sie das Gefühl haben, Ihr
Frettchen entwickelt diese Krankheit, sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt
darüber. Bei einer Adrenalkrankheit kann keine noch so hohe
Konzentration an reichhaltigem Futter oder ein Vitaminzusatz das Fell
des Tieres zurückbringen ohne medizinische Behandlung. Falls Ihr
Frettchen sich an eine reichhaltige Nahrung gewöhnt ist, sind die
Chancen für eine baldige Genesung nach der Operation gut.
Der letzte häufige Grund
für einen Fellwechsel oder einem Haarausfall bei Frettchen sind
Allergien. Wie Menschen auch können Frettchen an allen möglichen
Allergien in ihrer Umgebung leiden. Die beiden häufigsten Allergien bei
diesen Tieren sind futterbedingt oder akut. Futterallergien
verursachen normalerweise Verdauungsprobleme (Erbrechen, Übelkeit oder
Durchfall), kann jedoch auch zu Haarausfall bei Stress oder
Nährstoffmangel im Körper führen. Maisglutenunverträglichkeit ist
eine häufige Futterallergie bei Frettchen. Akute Allergien werden durch
Hautreize verursacht. Einige übliche Reizstoffe bei Fettchen sind
Spühlmittel oder Weichspühler, Zedernspäne, Maiskolbenstreu(kann
Schimmel erzeugen), Putzmittel (welche auch toxisch auf das Frettchen
können) sowie Flohbisse. Flöhe, Zecken und Fliegen greifen gerne
kleine Tiere an, welche auf dem Boden herumrennen. Falls Sie bemerken,
dass Ihr Frettchen von einem dieser kleinen Ungeziefer befallen ist,
sollten Sie das Tier und seine Umgebung sofort behandeln. Einige Flöhe
können sich in kürzster Zeit zu hunderten vermehren. Schauen Sie, dass
Sie Floh- und Zeckenmittel gebrauchen, welche für Ihr Tier kein Problem
darstellen. Die meisten Produkten werden keinen Vermerk "frettchensicher"
aufweisen, aber die meisten die meisten Mittel, welche sicher sind für
junge Katzen, sind es normalerweise ebenfalls für Frettchen. Falls Sie
Fragen oder Zweifel haben, schrecken Sie nicht davor zurück, Ihren
Tierarzt zu kontaktieren, um herauszufinden, welche Produkte er oder sie
empfiehlt. Sie können sich dafür auch an örtliche Tierheime oder
Frettchenclubs wenden.
Jetzt, nachdem wir einige der
Auswirkungen des Fellwechsels und dem Haarausfall diskutiert haben, hier
nun ein paar Tips, was mit ungewolltem Haar zu tun ist. Das Fell
mindestens ein- oder zweimal die Woche mit einer Frettchen- oder einer
weichen Katzenbürste zu pflegen, ist hilfreich, einige der losen Haare,
welche sich im Fell ansammelten, zu entfernen. Einmal pro Monat das Tier
zu baden, kann auch dazu beitragen, totes Haar herauszuwaschen. Baden
Sie das Frettchen nicht zuviel, sonst trocknet die Haut aus oder das
Fell verliert die Fette, die es braucht, was den Fellwechsel
verschlimmert. Falls Ihr Frettchen eine starke Fellwechselzeit
durchmacht oder sein Haar richtigehend auswirft, sollten Sie es täglich
bürsten. Einige Frettchenhalter ¨pflücken" sogar die Haare
richtiggehend aus dem Fell. Dies ist ein Vorgehen, bei dem Sie
vorsichtig die Fetzen von losem Haar herausziehen. Falls Sie einen
Widerstand spüren und das Haar kommt nicht einfach so heraus, dann ist
es noch nicht soweit und man sollte damit aufhören. Sie wollen dem Tier
doch kein Unbehagen bereiten!
Ihr Frettchen wird ebenfalls
versuchen, sich selber möglichst gut zu pflegen. Sie werden sehen, dass
es sein Fell leckt oder sich hinenbeisst. Einige Frettchen werden sich
nicht selber pflegen, wenn man ihnen zuschaut, sondern nur, wenn sie
alleine sind oder nachdem Sie zu Bett gegangen sind.
Kleine Mengen Haare können
mit dem Futter in den Frettchenmagen gelangen. Trotzdem werden diese
Haare manchmal gesammelt in der Form eines Haarballs. Dies
geschieht insbesondere dann, wenn das Frettchen einen Fellwechsel
durchmacht. Es ist deshalb wichtig, Frettchen regelmässig ein
Haarballabführmittel zu geben - normalerweise zwei- bis dreimal pro
Woche. Während des Fellwechsels ist es ratsam, ein solches
Abführmittel täglich zu verabreichen. Sie müssen ihm nicht viel geben,
ein Streifen von 1cm genügt. Dies ist genug, um die Haare im Magen zu
schmieren und sie durch den Darmtrakt gleiten zu lassen. Die meisten
Frettchen mögen den Geschmack von Haarballabführmitteln und werden
sich jeweils auf diese "Wieselfett"-Behandlung freuen.
Frettchen können die Haarbälle allgemein nicht aushusten, wie dies
Katzen tun. Falls sich ein Haarball im Magen des Frettchens festsetzt,
muss es sich meistens einer Operation unterziehen, um ihn zu entfernen.
Dies kann ein teures Unterfangen werden und kann normalerweise mit den
paar Cents, weche das Abführmittel kostet, einfach verhindert werden.
Nicht zuletzt ist es wichtig,
den Schlafplatz und den Käfig des Frettchens sauber zu halten. Auch
wenn Sie das Frettchen während der Fellwechselperiode bürsten, können
sich ausgefallene Haare in seinem Schlafplatz und am Käfiggitter
festsetzen. Diese losen Haare können daraufhin von einem Luftzug über
den Boden verstreut werden, oder schlimmer noch, Ihr Frettchen atmet sie
ein. Es ist hilfreich, das Nestzeug einmal und während der
Fellwechselzeit zweimal pro Woche zu waschen, um den Käfig und den
Spielplatz des Frettchens sauber zu halten. So wird auch ihr Tier
frischer riechen, da das Waschen des Bettzeugs verhindert, dass das
ausgeschiedene Moschusöl sich darin festsetzt.
Zur Erinnerung - kein
Frettchen ist ohne Fellwechsel, aber mit einer guten Ernährung,
richtiger tierärztlicher Betreuung und ein wenig Fellpflege sollten Sie
fähig sein, das Beste aus einer haarigen Situation machen können.
1
nicht
in Europa, wo sie meistens beim Züchter selber gekauft werden - Anm.
des Übersetzers
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